Anwenderworkshop mit Process-X: Daten werden zum Anlagekapital der Prozessindustrie
Mehr als 60 Teilnehmerinnen und Teilnehmer kamen am 15. September im Industriepark Höchst in Frankfurt am Main zusammen, um gemeinsam mit Process-X darüber zu diskutieren, welche Rolle der souveräne Datenaustausch für die Zukunft der Prozessindustrie spielt. Im Mittelpunkt standen konkrete Anwendungsfälle, technologische Lösungen und die Frage, wie Unternehmen ihre Daten künftig besser nutzen können, um wettbewerbsfähig zu bleiben.
Die Ausgangslage ist herausfordernd: Die europäische Prozessindustrie steht unter erheblichem wirtschaftlichem Druck. Hohe Kosten und ein schwieriges Marktumfeld schränken Investitionsspielräume ein. Gleichzeitig wächst die Notwendigkeit, Produktionsprozesse zu digitalisieren und effizienter zu gestalten. Die zentrale Erkenntnis des Workshops lautete deshalb: Daten sind längst mehr als ein Nebenprodukt industrieller Prozesse. Sie entwickeln sich zunehmend zu einem strategischen Anlagekapital.
Dabei mangelt es in vielen Unternehmen nicht an Daten. Vielmehr liegen Informationen häufig in unterschiedlichen Systemen vor und werden nur begrenzt genutzt. Erst durch einen sicheren, standardisierten und interoperablen Austausch entsteht ein Mehrwert, der über einzelne Unternehmen hinausreicht. Wertschöpfung findet immer häufiger entlang vernetzter Ökosysteme statt. Strategische Partnerschaften, verteilte Expertise und neue Anforderungen an Nachhaltigkeit machen den Datenaustausch zu einem entscheidenden Erfolgsfaktor.
Warum dies in der Praxis relevant ist, zeigt der Industriepark Höchst besonders anschaulich. Rund 90 Unternehmen teilen sich dort zentrale Infrastrukturen wie die Dampfversorgung oder die Abwasseraufbereitung. Ein effizienter Betrieb setzt voraus, dass Informationen sicher und zuverlässig zwischen unterschiedlichen Akteuren ausgetauscht werden können. Datenräume schaffen hierfür die notwendige Grundlage. Zugriffs- und Nutzungsrechte werden transparent geregelt und sämtliche Datenflüsse nachvollziehbar dokumentiert. Sicherheit und Datensouveränität stehen dabei im Mittelpunkt.
Im Rahmen des Workshops wurde zudem deutlich, wie verschiedene Datenrauminitiativen ineinandergreifen. Während Factory-X die Grundlagen für digitale Assets schafft, ermöglicht Process-X den Datenaustausch innerhalb industrieller Wertschöpfungsprozesse. Gemeinsam mit Chem-X entstehen darüber hinaus Lösungen für den Digitalen Materialpass, der Informationen entlang von Liefer- und Wertschöpfungsketten verfügbar macht. So entsteht ein vernetztes Ökosystem, das Daten über Unternehmensgrenzen hinweg nutzbar macht.
Welches Potenzial darin steckt, zeigen bereits die realisierten Anwendungsfälle von Process-X. Dazu gehören digitale Kalibrierscheine, der Digitale Materialpass, die Automated-As-Built-Lösung sowie der Nachweis der Eigensicherheit von Anlagenkomponenten. Auch die vorausschauende Berechnung und Bereitstellung von Prozessdampf wurde als Beispiel vorgestellt. Die Use Cases machen deutlich, dass Datenaustausch kein Selbstzweck ist. Er schafft die Grundlage für effiziente und nachhaltige Prozesse in der Industrie.
Zum Abschluss des Workshops konnten die Teilnehmenden die Technologien an der IDEA-Testanlage im Industriepark Höchst aus nächster Nähe erleben. Dort wurde sichtbar, wie digitale Schnittstellen und interoperable Datenflüsse in der Praxis funktionieren.
Die Besichtigung unterstrich die zentrale Botschaft des Tages: Die Daten sind bereits vorhanden. Der entscheidende Schritt besteht darin, sie sicher, standardisiert und unternehmensübergreifend nutzbar zu machen. Genau darin liegt ein wesentlicher Hebel für die Wettbewerbsfähigkeit der Prozessindustrie von morgen.



